Herzlich willkommen in Potsdam, liebe Menschen aus der Ukraine – solidarisch gesponsert von ihrem Immobilienkonzern:

Ein bitterer Kommentar:

Am 9. April 2022 soll es im Volkspark Potsdam ein Benifizfest für die Ukraine geben. Dazu laden die Stadt Potsdam und der kommunale Wohnungsgesellschaft ProPotsdam ausdrücklich auch die Geflüchteten aus der Ukraine und ehrenamtliche Helfer*innen ein.
Es soll ein Willkommensfest sein und eine Solidaritätserklärung an die Menschen aus der Ukraine.

… gesponsert von den Immobilienkonzernen und – Unternehmen Deutsche Wohnen, Semmelhaack und Instone Real Estate Group.

Ernsthaft?

Ausgerechnet die Unternehmen, welche mitverantwortlich dafür sind, dass Wohnen in Potsdam immer teurer wird, dass es kaum noch bezahlbare Wohnungen gibt finanzieren das Willkommen für die Menschen, welche genau deshalb niemals eine Wohnung in der Stadt finden werden?

Ihr lasst ein solches Fest, eine solch öffentliche Solidaritätserklärung ernsthaft von Konzernen finanzieren, deren einziges Interesse eine möglichst hohe Rendite für ihre Anleger*innen ist, in deren Geschäftsmodell Solidarität überhaupt nicht vorkommt?
Seit Wochen wird – wie 2015 – das Willkommen für die Menschen aus der Ukraine fast ausschließlich durch die Zivilgesellschaft in dieser Stadt getragen. Die Verwaltung hat es noch nicht einmal geschafft, eine ordentliche Registrierung zu organisieren.
Und die Hunderten an Ehrenamtlichen sollen jetzt unter dem Logo der Konzerne feiern, die es ihnen immer schwerer machen, in dieser Stadt überhaupt eine Wohnung zu finden?
Wo bitte wollt Ihr die vielen Menschen aus der Ukraine unterbringen?
Wollt Ihr Euch wieder mit mündlichen Versprechungen wie bei den geplanten Mieten der Deutschen Wohnen in Krampnitz zufrieden geben? Oder sind dafür schon die nächsten Deals mit Semmelhaack heimlich abgesprochen worden? Hier gibt es keine bezahlbaren Wohnungen mehr – wegen der Geschäfte genau der Unternehmen, die das jetzt sponsern.

Und natürlich ist die ProPotsdam wieder mit dabei.
Die, welche es noch nicht einmal geschafft hat, endlich die Entscheidung zu treffen, die Wohnungen im Staudenhof für Menschen aus der Ukraine zu öffnen. Weil eben das barocke Stadtbild hier immer noch wichtiger ist als wirkliche Solidarität. Aber dafür machen wir ja ein Benefizfest.
Unsere kommunale Wohnungsgesellschaft als Partner global agierender Immobilienkonzerne – das passt.

Klasse.

Greenwashing ist dafür ein verharmlosender Begriff. Es ist eine bittere und peinliche Anbiederung an Immobilienkonzerne und – Unternehmen, die in dieser Stadt alles, aber keine solidarischen Werte verkörpern.
Woher wisst Ihr eigentlich, dass unter den Anleger*innen aus globalen Vermögensverwaltern, geschlossenen Immobilienfonds und von internationalen Banken keine russischen Geldgeber, russische Oligarchen sind? Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sponsert hier auch längst gewaschenes russisches Kapital das Willkommen der Menschen, die vor diesem Krieg geflohen sind.

Irre.

Im Grunde haben die Stadt Potsdam und die ProPotsdam damit ein weiteres Meisterstück dafür geliefert, wie sie diese Stadt, unsere Stadt sehen: Als Spielwiese von Immobilienspekulanten und internationalen Investoren.

Bravo.

Wir machen da nicht mit.
Wir empfehlen der Stadtgesellschaft, sich dieser Heuchelei zu verweigern.

Öffnet endlich den Staudenhof für Geflüchtete und stoppt den Abriss!
Bringt die Menschen in den vielen leer stehenden möblierten Mikroappartements wie in Bornstedt unter. Erzwingt bei der Ausländerbehörde eine menschenwürdige Bearbeitung der Anträge.

Schmeißt die Deutsche Wohnen, Semmelhaack und die Instone Real Estate Group aus der Stadt.

Dann können wir auch zusammen feiern.

Holger Zschoge/ Stadt für alle

Kommentare

  1. […] Die Stadtverwaltung lädt am morgigen Samstag, den 9. April 2022 zu einem Benefizfest für Geflüchtete aus der Ukraine und die vielen Helfer*innen innerhalb der Stadtgesellschaft. Und lässt dieses ausgerechnet von Immobilienkonzernen sponsern, die mitverantwortlich dafür sind, dass es in unserer Stadt kaum noch bezahlbaren Wohnraum gibt. Es gibt immer weniger bezahlbaren Wohnraum, aber auch Leerstand von Wohnungen. Auch in der Wichgrafstr. 11 stehen nach wie vor sechs Wohnungen leer. Unser Versuch, eine leerstehende Wohnung in unserem Haus für Geflüchtete aus der Ukraine nutzbar zu machen, lief leider ins Leere. Aber die Wichgrafstr. 11 ist nur eines von vielen Beispielen. Näheres dazu in einem Interview der Tageszeitung  JUNGE WELT mit Holger Zschoge, dem Sprecher des Potsdamer Netzwerks »Stadt für alle«. […]

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