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  • Mitteschön – Nabel der Welt?

    Am 19.10.2022 hat Mitteschön ein Papier der Öffentlichkeit präsentiert. Schon der kurze Titel des Ideenpapiers strotzt vor Irritationen. „Programm Europakirche – Ideenpapier zur Vollendung des Gesamtkunstwerkes Garnisonkirche Potsdam“

    Beim Wideraufbau der Garnisonkirche handelt es sich um eine Kopie, eine Reproduktion oder wenn schon in Kunstkategorien gedacht wird: ein Plagiat oder Kitsch. Des Weiteren wird ein Ideenpapier für ein Multifunktionssaal vorgestellt, in dem keine Gottesdienste stattfinden werden, da diese in der kleinen Kapelle im Turm stattfinden. Somit ist an der Begrifflichkeit „Europakirche“ nicht eine Nutzung, sondern nur die übersteigerte Wunschvorstellung, gar der Pathos und Grad der Verblendung einiger Bürger*innen ablesbar. Woher kommt dieser (wiederholte) Herrschaftsanspruch, dass diese Einrichtung nun die „Europakirche“ sein soll. Soll Europa am deutschen Wesen, preußischer Prägung genesen? Geht es nicht noch größer? Warum nicht gleich „Nabel der Welt“?

    Der Drang nach großen Namen und Begrifflichkeiten passt zum Projekt und der Stiftung Garnisonkirche und ihrer konservativen Fördergesellschaft. Auch sie laben sich gern in großen Worthülsen.

    Was konkret schlägt Mitteschön vor? Eine Multifunktionssaal mit bis zu 2000 Plätzen in Form des ehemaligen Kirchenschiffes. Mangelt es uns wirklich an Sälen und übergroßen, hochsubventionierten Konzert- und Veranstaltungsräumen in der Stadt? Nein.

    Die sogenannte „Europakirche“ wäre nach Umsetzung des Mitteschön-Vorschlags dann ein bauliches Sammelsurium aus Kapelle, einem darüber liegenden Ausstellungsbereich, der Aussichtsplattform, einem Glockenspiel und dem gigantischen Multifunktionssaal. Das hat mit der ehemaligen Garnisonkirche wenig zu tun. Das hat nichts mit Kirche und christlicher Kirchenarbeit zu tun, sondern nur mit einem hegemonialen Blendwerk, der Bauhülle. Und um solche Nutzungen zu errichten, hätte nicht diese hässliche, pseudobarocke und überteuerte Hülle errichtet werden müssen. Das kommt dabei raus, wenn nicht der Inhalt die Architektur und Baustoffe bestimmt, sondern in eine unpraktische, historisch anmutende Hülle zwanghaft eine neue Nutzung presst werden soll.

    Übrigens, den schönsten Ausblick über die Stadt hat man vom der Aussichtsplattform im Turm der Heilig-Geist-Kirchen-Attrappe. Die Stadt am Wasser ist von dort viel intensiver erlebbar, als an der lauten Breiten Straße. Auch sehr schön: der Blick von Belvedere auf dem Pfingstberg.

    Das Mitteschön keinen Vorschlag zur Finanzierung des Saales macht, verwundert bei einer geschätzten Summe von über 100 Mio. Euro nicht. Der Turm ist abschreckendes Beispiel genug. So richtig spenden will für das Projekt keiner. Es bleibt somit wieder nur der Ruf nach der öffentlichen Hand. Zu den Betriebskosten eines solchen Multifunktionssaals äußern sich die „Bürger für die Mitte“ auch nicht. Der gigantische Hohlkörper, den ein solcher mehrstöckiger offener Saal darstellt, ist heiztechnisch eine Katastrophe. Für ihn müsste sogar ein anders Gebäude abgerissen werden. Von Nachhaltigkeit keine Spur.

    Liebe Mitteschöner, macht bitte noch mehr solcher Vorschläge, damit noch mehr Menschen klar wird, dass es sich bei dem „Wiederaufbauprojekt GK“ um ein elitäres Luftschloss einiger Menschen handelt. Eine Minderheit, die nicht in der Lage ist, das Projekt ernsthaft umzusetzen, aber erwartet, dass die Gesellschaft es ihnen hinstellt. Nur um sich wohler zu fühlen, nur weil das Ding angeblich „schön“ ist? Soviel Kleingeist und Egoismus darf nicht der Nabel der Welt sein.

    OWCL

  • RZ 4 ever – die Chance besteht!

    Gute Nachricht für das Potsdamer Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum an der Plantage! Es kann bleiben. Bis Anfang 2025 kann es genutzt werden ohne dass der Bebauungsplan geändert werden muss. In der Zeit kann eine Koalition der Willigen die notwendige B-Plan-Änderung vornehmen und die Zukunft des RZ langfristig sichern.

    Im Hauptausschuss am 12.10.22 wurde seitens der Stadtverwaltung klargestellt, dass alle Auflagen, die bei der ersten Verlängerung der geduldeten Nutzung als Kreativhaus von der Bauaufsicht gemacht wurden, erfüllt sind. Für Brandschutzmaßnahmen und Verbesserung bei Belichtung und Belüftung stellte die Stadt fast 1 Mio. Euro zur Verfügung. Da diese Maßnahmen größtenteils umgesetzt sind, steht der Verlängerung baupolizeilich nichts mehr im Wege.

    Nun kommt es lediglich auf den politischen Willen der Stadtverordnetenversammlung an. Die Rathauskooperation (RaKo) könnte beweisen, dass sie wirklich kooperieren. Die Mehrheit und die Unterstützung der aNDEREN, der Partei und vielleicht auch der Scharfenberg-Fraktion hätte die RaKo, wenn es darum geht, das RZ vollständig planerisch zu sichern. Es bedarf nicht vieler Änderungen zum B-Plan Nr. 1 von 1990. Zahlreiche Änderungen gab es ja schon in den Jahren 2004-2021.

    Unter anderem müsste der Erhalt des Kunst- und Kreativhauses Rechenzentrum integriert sowie das Ziel „Aufbau der Garnisonkirche“ gestrichen (oder als Kompromiss auf den Turm reduziert werden). Es geht im Kern um den Verzicht auf den Bau des Kirchenschiffes als Planziel und die Umwidmung der Flächennutzung. Der Verzicht auf den Bau des Kirchenschiffes ist genau das, was der Stiftung Garnisonkirche abgerungen werden soll, indem diese ihr Stiftungsziel modifiziert. Dies ist aber rechtlich problematisch, vielleicht gar nicht möglich. Am 2. November will Oberbürgermeister Mike Schubert eine Tendenzabstimmung im Stiftungskuratorium veranlassen. Wozu diesen komplizierten und unverbindliche Weg wählen?[1] Die Stadt hat alle Möglichkeiten der Entscheidung selbst in der Hand. Sie muss nicht wie das Kaninchen auf die Schlange, in diesem Fall die Stiftung Garnisonkirche, starren.

    Dazu müsste die SPD endlich mal einheitlich handeln und klar Position beziehen. OBM Schubert inszeniert sich öffentlich gern als RZ-Versteher. Die SPD-Fraktion hingegen weniger. Bisher ziehen Heuer und Schubert nicht am gleichen Strang. Wegewitz und Zalfen, die Fraktionsvorsitzenden, verhalten sich ebenfalls ambivalent. Der OBM hat scheinbar wenig Einfluss auf „seine“ SPD-Fraktion. Dies war anders, als Schubert noch Fraktionsvorsitzender war. Er hat damals dafür gesorgt, dass es keine wirklichen Beschlüsse zu Gunsten des RZ, oder gegen den Wideraufbau der Garnisonkirche gibt. Auch eine Befragung der BürgerInnen zu dieser Streitfrage hat er erfolgreich verhindert. In jüngster Zeit erweckt er den Eindruck, er sei für den Erhalt des RZ. Allerdings recht unglaubwürdig. Den mit seinem Vorschlag für ein „Haus der Demokratie“ schaufelt er das Grab für das RZ. Ein Teilabriss zu Gunsten des „HdD“ bedeutet, dass der Rest des Hauses nicht rentabel saniert und betrieben werden kann.

    Für eine Zukunft des RZ müssten sich auch die Grünen mal bewegen. Speziell der Kreisverband ist gefragt. Bisher agiert die im Gestern verwurzelte Fraktionsspitze in der SVV (Hüneke und Zöller) wenig im Sinne grüner Politik und Werte. So unser Eindruck. Offenheit, Pluralismus, Gemeinwohl, Zukunftsorientierung, Klimaschutz, Nachhaltigkeit… Nichts davon kann mit dem Abriss des RZ und dem Aufbau eines Kirchenschiffes erreicht werden. Die Vernichtung von baulichen Ressourcen, vorhanden Möglichkeiten, Synergien und Freiräumen kann keine grün-bürgerbewegte Politik sein.[2] Es sollten endlich mal die Prioritäten und Machtverhältnisse bei den Potsdamer Grünen geklärt werden, denn von einem stringenten Handeln in Sachen RZ sind auch die Bündnisgrünen weit entfernt.

    Das der rechtskonservative Block von AfD, CDU, FDP und Bürgerbündnis in der SVV nicht für eine B-Plan-Änderung zu Gunsten des langfristigen RZ-Erhalts stimmen wird, sollte allen klar sein. Deshalb liegt die Chance der Gestaltung alleinig bei der RaKo. Sollten diese sich nicht zu einem einheitlichen Handeln und Änderungsbeschluss durchringen, trägt sie auch für die Verantwortung für den Abriss des RZ. Niemand anderes!


    [1] Zur Erinnerung: Das Rechtsgutachten, welches die Stadt beauftragt hatte, stellt klar, dass die Stiftung keinen Anspruch auf Abriss des Rechenzentrums hat, da ein konkretes, bauplanerisch fertiges und ausfinanziertes Bauvorhaben fehlt. So wird es auch in absehbarer Zeit bleiben, da die Stiftung nicht mal in der Lage ist, den Turm ohne weitere Subventionen der öffentlichen Hand fertig zu stellen.

    [2] Der (Teil-)Abriss des Rechenzentrums ist gesellschaftlich und aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht vertretbar. Gegenüber einer offensichtlich unrealistischen Alternative stehen die erfolgreiche Praxis eines voll vermieteten soziokreativen Zentrums mit großer Gemeinwesen-Wirkung und die ökologische Verantwortung für den Bestand. Das Rechenzentrum, dessen Betrieb sich ausschließlich aus den Mieteinnahmen finanziert, steht dem hoch- und quersubventionierten Projekt KreativQuartier eines Investmentfonds mit ungewisser Zukunft gegenüber.

    OWCL

  • Retro – Stadtbilder und ihre Netzwerke in Berlin und Potsdam

    Seit Tagen ist der Skandal um die geplante Bebauung des Molkenmarktes in der Mitte Berlins in aller Munde. Ein Wettbewerb endete damit, dass niemand gewonnen hat. Zu mindestens in den Augen der Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt und des Stadtentwicklungssenators Andreas Geisel.

    Damit wird gerade ein Streit, ein Konflikt öffentlich, der im Grunde seit vielen Jahren und immer mehr Städten in Deutschland ausgetragen wird – auch in Potsdam.

    Vordergründig geht es um Architektur. Wie und was bauen wir in unseren Innenstädten? Nach historischen Vorbildern, teuer und aufwendig mit privaten Investoren und entsprechend der jeweils bevorzugten politisch – kulturellen Tradition oder vielfältig, gegensätzlich, bezahlbar und entsprechend der jeweils notwendigen – auch sozialen, ökologischen Nutzung?

    Der Molkenmarkt in Berlin gilt als Ursprung der Stadt Berlin und war der älteste Markt in der Stadt.
    Die „Wiedergewinnung“ dieser Mitte gilt in Berlin als prägendes Projekt und ist dementsprechend seit vielen Jahren stark umstritten bei den verschiedenen Akteur*innen von Stadtpolitik, Stadtplanung und Architekt*innen – vergl.: https://molkenmarkt.berlin.de/
    Nach dem 2016 beschlossenen Bebauungsplan gab es ein städtebaulichen Qualifizierungsverfahren und einen Wettbewerb. Dabei wurden von zwei Architekturbüros wie erwartet zwei völlig gegensätzliche Entwürfe präsentiert. Einer stammt aus dem Architekturbüro des in diesem Jahr verstorbenen Bernd Albers – ein Name, den wir uns merken sollten. Er favorisiert eine historisierende Stadtentwicklung, verbunden mit der Privatisierung der Grundstücke.
    Bei dem anderen Entwurf sollten die Grundstücke beim Land Berlin bzw. landeseigenen Gesellschaften verbleiben, die dort vor allem eine Bebauung nach sozialen und ökologischen Kriterien umsetzen sollten.
    Im Grunde stecken dahinter auch zwei ganz unterschiedliche Konzepte von Stadtentwicklung, über die politisch, in der Fachwelt und Wissenschaft mal hinter den Kulissen, mal öffentlich seit Jahren heftig gestritten wird. Es geht um nichts geringeres als die Frage: Wem gehört die Stadt? Für wen bauen wir welche Stadt? Funktioniert eine Stadt für alle?

    Hier in der Nachbarstadt Potsdam sind die Debatten ähnlich, vielleicht sogar noch klarer und radikaler.

    Nach einem Uraltbeschluss der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 1990 soll in der Stadtmitte eine „Wiederannäherung an das charakteristische, historisch gewachsene Stadtbild“ gelingen.

    Seitdem wird dort aber komplett umgebaut, abgerissen und neu gebaut. Symbolisch steht dafür sicher die Fachhochschule aus DDR – Zeiten direkt neben der Nikolaikirche, um die ein erbitterter Kampf geführt wurde – und die allem Widerstand und Protest zum Trotz schließlich doch abgerissen wurde.
    Am Alten Markt, an der Alten Fahrt entsteht seitdem die neue, alte Mitte nach barockem Vorbild aus der Zeit der preußischen Könige. Und: um dies allen Leser*innen klar zu machen: Hier wird nichts saniert, hier werden keine „Wunden geheilt“ aus einer Zeit, als kein Geld in die Sanierung von Altstädten gesteckt wurde und dort alles dem Verfall preisgegeben war.
    Hier wurde abgerissen und komplett neu – und nach historischen Vorbild – gebaut: Das Stadtschloss, das Museum Barberini, die Häuser an Alten Fahrt – alles Kopien aus alter Zeit, neu gebaut mit Sandsteinimitaten.

    Aktuell werden die sogenannten „Blöcke“ am Alten Markt am Standort der ehemaligen Fachhochschule neu gebaut, für die letzten Lose zum Block IV laufen gerade die Ausschreibungsverfahren. Grundlage aller Ausschreibungen und Gestaltungsentwürfe ist das „Integrierte Leitbautenkonzept“ aus dem Jahr 2010. Dazu heißt es auf der Seite des Trägers: „Mit dem Leitbautenkonzept werden, orientiert am historischen Vorbild, die städtebauliche Struktur und die architektonische Anmutung des Quartiers wieder erlebbar. Stadtbildprägende Bauten (die Eckgebäude) sollen ihre historische Fassade („Leitfassade“) erhalten oder durch „architektonische Zitate“ einen Eindruck des einstigen Erscheinungsbildes vermitteln (besondere Gestaltungsleitlinien). Die weitere Bebauung soll in zeitgenössischer Architektursprache entstehen, sich aber den historischen Dimensionen anpassen.“ vergl.: https://www.potsdamermitte.de/

    Eine Potsdamer Besonderheit ist, dass mit der ProPotsdam eine kommunale Gesellschaft als Sanierungsträger eingesetzt ist, die mit dem Verkauf der einzelnen Grundstücke die Stadtmitte quasi privatisiert. Auf Grund des Widerstandes aus der Stadtgesellschaft vor allem gegen den Abriss der Fachhochschule wurde in den Ausschreibungen für die einzelnen Lose an bestimmten Standorten auch Angebote mit gefördertem und/oder mietpreisgebundenem Wohnraum priorisiert. Hier kamen auch Genossenschaften zum Zug – auf deren Probleme gehen wir unten noch einmal ein.

    Auch in Potsdam ist dies Teil einer grundsätzlichen Debatte. Zwischen den Konzepten eines barocken Wiederaufbaus der Mitte nach historischem Vorbild – umgesetzt von privaten Investoren und unterstützt von teuren Architektenbüros und der Idee einer vielfältigen Stadtmitte für alle mit unterschiedlichen architektonischen Geschichten, kulturellen Freiräumen und bezahlbaren Wohnungen liegen Welten.

    Aber: Was nur wenige wissen, viele der Protagonist*innen dieser Debatte in Berlin und Potsdam sind die Gleichen – zumindest auf der einen Seite.

    Petra Kahlfeldt, Bernd Albers, Benedikt Goebel und Tobias Nöfel – um nur vier der ganz wichtigen Akteure zu nennen – sind schon lange Teil eines großen Netzwerkes für eine sogenannte „Kritische Rekonstruktion“, eine historisierende Stadtentwicklung in Berlin, haben die aktuelle Entwicklung am Molkenmarkt entscheidend mit getragen und beeinflusst.
    Und gleichzeitig sind sie schon lange auch in Potsdam aktiv – auf der gleichen Seite, mit den gleichen Motiven.

    Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Vita und die Rollen dieser wichtigen Akteure in beiden Städten.

    Als Petra Kahlfeldt im letzten Jahr – ziemlich überraschend – zur neuen Senatsbaudirektorin ernannt wurde, gab es ein recht lautes mediales Echo.

    In der Onlinezeitschrift urbanophil wird das so kommentiert:
    „Petra Kahlfeldt hat in den letzten gut 30 Jahren gemeinsam mit Paul Kahlfeldt deutschlandweit eine große Anzahl von Villen, luxuriösen Wohnhäusern und hochwertigen Gewerbebauten realisiert sowie historische Bauten saniert. Zudem war sie Teil der Kommissionen zum Bau des Berliner Humboldtforums, zum Wiederaufbau der Altstadt Frankfurts als “Dom-Römer-Quartier” oder zur Potsdamer Mitte rund um den Alten Markt. In den 1990er Jahren gehörte sie der Entourage von Hans Stimmann an, der mit seiner Interpretation der “Kritischen Rekonstrution” von Stadt ein rigides, auf ein “steinernes Berlin” zielendes Stadtbild durchgesetzt hat.Es ist nun nicht nur zu befürchten, dass Rekonstruktionsdebatten in Berlin wieder aufleben, Architektur vor allem unter einseitigen ästhetischen Gesichtspunkten verhandelt werden wird und Berlin architektonisch und stadtentwicklungspolitisch endgültig in der Provinzialität landet. Vielmehr noch stellt sich die Frage, wie Petra Kahlfeldt die drängenden Fragen bzgl. der ausufernden Mieten und der Klimaziele lösen möchte. Was sie bislang gemacht hat, ging komplett und haargenau in die andere Richtung, ja ist vielleicht sogar Teil der heutigen Probleme.“https://urbanophil.net/stadtentwicklung-stadtpolitik/berlin-im-rueckwartsgang-petra-kahlfeldt-wird-neue-senatsbaudirektorin/

    Die Berliner Geschichte als Teil eines Netzwerkes für eine Rekonstruktion bzw. historisierende Stadtentwicklung manifestiert sich auch und vor allem im überregional aktiven Architekten- und Ingenieurvereins (AIV) zu Berlin, deren Kuratoriumsmitglied sie 2008 wurde und wo sich das „Who ist who“ eben jener Stadtplaner und Architekten versammelte, die eine solche Stadtentwicklung durchsetzen wollte. 2022 hat der AIV ein Buch seines Urvaters Hans Stimmann präsentiert, in der seine Thesen von Stadtentwicklung noch einmal formuliert und begründet wurden. „In den versammelten Schriften setzt er sich unverdrossen für das Leitbild der Europäischen Stadt ein, tritt vehement ein für die Rekonstruktion des historischen Stadtgrundrisses in der Berliner Mitte und erneuert sein Plädoyer für einen Städtebau, der parzelliert und eigentumsbezogen sein soll.“ fasst selbst die Morgenpost zutreffend zusammen. – https://www.morgenpost.de/berlin/article234767475/Hans-Stimmann-Ansichten-eines-Geschmacksdiktators.html

    Auch in Potsdam ist Petra Kahlfeldt schon längere Zeit aktiv.

    Fünf Jahre – von 2017 – 2021 war sie Mitglied im Gestaltungsrat der Stadt Potsdam und hat in dieser Zeit wichtige Gestaltungskonflikte – vor allem um die Potsdamer Mitte erlebt und Einfluss darauf genommen – https://www.potsdam.de/mitglieder

    Wie schon oben erfahren, war und ist Frau Kahlfeldt Mitglied in diversen Kommissionen, Wettbewerbsverfahren und bei Ausschreibungen, unter anderem zur Potsdamer Mitte am Alten Markt (Block III und Block IV), der Entwicklung des Quartiers Potsdam – Rote Kaserne, zum Kreativquartier Langer Stall. Fast schon logisch, dass sie auch Mitglied des Fachgremiums zur Rekonstruktion der Garnisonskirche in Potsdam ist.

    Man kann also sagen, bei fast allen städtebaulichen Konflikten in dieser Stadt hat Petra Kahlfeldt mitentschieden.
    Die vielen Kontakte scheinen ihr auch geholfen haben, an lukrative Aufträge für ihr eigenes Architekturbüro https://www.kahlfeldt-architekten.de/ zu kommen. Die Liste der Projekte in Potsdam umfasst unter anderem: Wohnhäuser in Bornstedt in der Georg – Herrmann – Allee. Wer sich mal die Auflistung der Fotos ihrer Wohnbauten anschaut, bekommt sehr leicht eine Vorstellung davon, was Frau Kahlfeldt gerne baut.

    Einer derjenigen, welche dann in der Potsdamer Mitte als Architekten zum Zuge kamen ist oder besser war Bernd Albers mit seinem Architekturbüro BERND ALBERS Gesellschaft von Architekten mbH – https://www.berndalbers.com/.

    Die Zahl seiner Projekte in Potsdam ist noch viel größer als bei Petra Kahlfeldt. Dazu gehören unter anderem: Die Wohnhäuser oder besser Eigentumswohnungen in der Georg – Herrmann – Allee – gemeinsam mit den Kahlfeldt – Architekten. In der neuen, alten Potsdamer Mitte hat er in der Erika-Wolf-Straße 3 – ehemals Schwertfegerstraße 13 gebaut und natürlich vor allem das Museum Baberini eben dort. Auch Bernd Albers kann am Besten Luxuswohnen. „Neue Liebe“ heißen die Villen in Bornstedt: https://neue-liebe-potsdam.de/ und es bedarf keines Kommentars, um zu wissen, wer hier was für wen baut.

    Aber und das ist wichtig: Bernd Albers ist eben nicht einfach ein privater Architekt.
    Bernd Albers gehört zum oben beschriebenen Netzwerk historisierender Stadtentwicklung in Berlin und anderswo. Er war Gewinner diverser Wettbewerbe des AIV und – wie oben schon benannt, einer der „Gewinner“ des Wettbewerbs um die Neugestaltung des Molkenmarktes in Berlin. Im Nachruf von Baunetz heißt es unter anderem: „So baute Albers beispielsweise an der Neuen Altstadt in Frankfurt am Main mit, war in das Projekt „Unvollendete Metropole“ des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin-Brandenburg involviert und engagierte sich in der „Planungsgruppe Stadtkern“, zu der unter anderem auch die amtierende Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt gehört, für eine „Wiedergewinnung der Berliner Mitte.“ https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Zum_Tod_von_Bernd_Albers_7909707.html

    Und in Potsdam war Bernd Albers Professor der Fachhochschule Potsdam, seit 2005 sogar Dekan des Fachbereichs Architektur und Städtebau. Natürlich hat es sich in dieser Funktion auch klar zur Entwicklung in der Stadtmitte von Potsdam positioniert.
    Zum Konflikt um die Fachhochschule hat er das so ausgedrückt: „Ihre Begeisterung für das Hässliche und ihr Beharren auf ästhetische Brüche bleiben rätselhaft.“ – und gemeinsam mit anderen Professor*innen der Branche: „Die Beseitigung der für diesen Ort völlig überdimensionierten und architektonisch wenig qualitätsvollen Fachhochschule und die Rekonstruktion einiger historischer Leitbauten und Ergänzung durch mehrheitlich neue Stadthäuser mit hohem Wohnanteil ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.“ https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/fh-professoren-fur-abriss-des-hasslichen-7190338.html

    Bei so einem Anliegen ist auch Benedikt Goebel nicht weit. Auch er sitzt im Vorstand der AIV und ist seit 2011 Sprecher der „Planungsgruppe Stadtkern“ – einem Forum, was nach den Zeiten von Stimmann seinen Rekunstruktionskurs weiterführt und auch mit der SPD gut vernetzt ist – https://planungsgruppe-stadtkern.de/planungsgruppe-stadtkern/ Deren Ziel: Eine kleinteilige Parzellierung und teilweise Privatisierung der Grundstücke am Molkenmarkt – inzwischen auch an anderen Standorten in der Berliner Mitte. Es wundert überhaupt nicht, dass in der neuen erst im Juli 2022 gegründeten „Stiftung Mitte Berlin – Für das Herz der Stadt“ Benedikt Goebel stellvertretender Vorsitzender der Stiftung geworden ist.
    In Potsdam hat er gemeinsam mit den AIV diverse Vortragsreihen und Wettbewerbsverfahren von und für Student*innen vor allem der Fachhochschule Potsdam organisiert. Vor allem das Projekt „Unvollendete Metropole“http://unvollendete-metropole.de/ spiegelt die Grundideen der beschriebenen Akteure gut wieder. Sie orientiert sich am Groß – Berlin der 20 ` er Jahre und impliziert eine unvollendete Entwicklung in den Raum, der heute zu Brandenburg gehört – einschließlich Potsdam. Benedikt Goebel ist dort Geschäftsführer – gemeinsam mit Tobias Nöfer, den wir unten noch kennenlernen werden.
    Der städtebauliche Wettbewerb Berlin – Brandenburg 2070 beschreibt dies ganz gut: „Mit Blick auf das Jubiläum 100 Jahre (Groß-) Berlin hat der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e.V. in Partnerschaft mit anderen zivilgesellschaftlichen Initiativen im Jahr 2019 einen offenen, zweiphasigen „Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerb Berlin-Brandenburg 2070“ ausgelobt. Gesucht werden städtebauliche Visionen für die Zukunft der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg, die sich unter anderem mit dem Leitbild des „Siedlungssterns“ der Gemeinsamen Landesplanung städtebaulich auseinandersetzen. Ziel des Ideenwettbewerbs ist nicht eine völlig andere, neue Großstadtregion, sondern – anknüpfend an Besonderheiten, Stärken und Schwächen – die nachhaltige Weiterentwicklung der überkommenen städtebaulichen Potenziale und die Überwindung vorhandener Schwächen.“https://unvollendete-metropole.de/wettbewerb-berlin-brandenburg-2070/
    Aufschlussreich ist auch die Liste der Förderer: Deutsche Wohnen, Accentro Real Estate, Trockland, TLG oder Engel & Völkers.

    Kommen wir zu Tobias Nöfer. Er ist Architekt, Vorsitzender des AIV zu Berlin-Brandenburg e.V. und er hat viele weitere Funktionen, die ihn auch mit Potsdam verbinden. Wie eben beschrieben ist er auch Geschäftsführer der Berlin 2070 gGmbH – welche das Projekt „Unvollendete Metropole“ organisiert, eigentlich aber eine Untergesellschaft des AIV ist.
    Der AIV wiederum arbeitet seit Jahren intensiv mit der Fachhochschule Potsdam zusammen. Dort war Bernd Albers ja lange Jahre Dekan des Fachbereichs Architektur und Städtebau. Seit Herbst letzten Jahres hat Tobias Nöfer als Vorsitzender des AIV diese Kooperation noch einmal vertieft. Nun gibt es einen offiziellen Kooperationsvertrag zum Thema „Zukunft der Metropolregion Berlin-Brandenburg“. Im Rahmen dieses Vertrages wird eine Vorlesungsreihe zum Projekt „Unvollendete Metropole“ organisiert und die Ausstellung dazu gezeigt. In Berichten zu dieser Kooperation wird klar, was das primäre Ziel dieser Kooperation ist: „ Als Verein steht der AIV für die Werte der europäischen Stadt. Seine wichtigste Aufgabe sieht er darin, Stellung zu aktuellen Planungen und Bauten in Berlin und Brandenburg zu beziehen. Er nimmt damit Einfluss auf die Entwicklungen in wichtigen Bereichen der Metropolregion.“ – und: „Tobias Nöfer, AIV-Vorsitzender: „Eine unserer zentralen Aktionen aktuell ist das Projekt ´Unvollendete Metropole´, das wir gemeinsam mit Partnern realisiert haben. Es ist ein Beitrag zur wichtigen Diskussion über die Zukunft der Metropolregion Berlin-Brandenburg. Dieses Thema jetzt durch die Kooperation den Studierenden nahe zu bringen, ist uns eine Herzensangelegenheit, da genau diese Generation unsere Metropolregion prägen wird.“https://www.lifepr.de/inaktiv/architekten-und-ingenieur-verein-zu-berlin-ev/AIV-Kooperation-mit-FH-Potsdam-zum-Thema-Metropolregion-Berlin-Brandenburg/boxid/873742
    Bewusst oder unbewusst wird hier klar, was das eigentliche Ziel dieser intensiven Kooperation mit einer Fachhochschule in Potsdam ist: Eine Generation junger Absolvent*innen im Sinne der „Europäischen Stadt“ , von Rekonstruktion und historisierender Stadtentwicklung auszubilden.
    Mit dabei ist hier übrigens auch Markus Tubbesing, Professor für Entwurf und Denkmalpflege an der FH Potsdam, der ebenfalls zum Netzwerk gehört.

    Auch Tobias Nöfer profitiert in Potsdam offensichtlich von der Stadtentwicklung, welche er entscheidend mitprägt. Hier ist eine unvollständige Liste seiner Auftragsarbeiten als Architekt:

    Brockesches Palais: https://www.aiv-berlin-brandenburg.de/aiv-auf-dem-bau-brockessches-palais-potsdam-sp-150020454/

    https://www.noefer.de/de/projekte/wohnhaeuser-berliner-vorstadt-potsdam/

    Die bisher behandelte Liste ist natürlich nicht vollständig.
    So gehört zum Netzwerk auch Willo Göpel, Historiker, Journalist und Projektentwickler, der selbst in Potsdam wohnt und als Vorsitzender des „Bauvereins Potsdamer Stadtkanal 1772“ den aktuellen Oberbürgermeister davon überzeugt hat, dass es für Potsdam von prioritärer Bedeutung ist, den alten Stadtkanal original wieder aufzubauen – https://www.maz-online.de/lokales/potsdam/das-sagt-der-chef-des-bauvereins-zu-schuberts-stadtkanal-vorstoss-HHA4Y2ZOGKNHP7TSI56AILY2JU.html

    Ein erstes Fazit.

    Wir haben zu diesem beschriebenen Netzwerk auch mit Menschen gesprochen, die sich seit vielen Jahren damit auseinandersetzen, weil sie die Folgen dieser Stadtpolitik sehen und benennen können. Viele von ihnen haben den Aufruf des Bündnisses Molkenmarkt in Berlin unterschrieben: http://berlin-plattform.de/29-9-2022-ein-breites-buendnis-fordert-ein-soziales-und-oekologisches-modellquartier-am-molkenmarkt-und-ein-klares-siegerteam-aus-dem-werkstattverfahren/
    Sie haben die Verbindungen zwischen Berlin und Potsdam offengelegt und uns zu dieser Recherche veranlasst. Dabei haben wir gesehen, was in Berlin an anderen Stellen längst Realität ist:„… zeigt (das) der Werdersche Markt in Mitte. Anfang der 2000er Jahre wurden dort Grundstücke zum Schnäppchenpreis an Private vergeben, auf denen dann schmale sogenannte Townhouses gebaut wurden. Architektin Burghardt schätzt die damaligen Gesamtkosten auf rund 800 000 Euro pro Einheit. Zehn Jahre später wurden die ersten Häuser für 8 Millionen Euro verkauft. Derzeit ist eines für 11 Millionen Euro im Angebot, ein anderes wird für 13 900 Euro monatliche Kaltmiete inseriert.“https://www.nd-aktuell.de/artikel/1167355.bauen-stadtentwicklung-nach-gutsherrenart.html
    In Potsdam zeigt sich das zum Beispiel an der Alten Fahrt, wo selbst der Geschäftsführer des Immobilienkonzerns Kondor Wessels Berlin GmbH als unverdächtiger Kronzeuge resümiert: „Kondor Wessels hat auch das Humboldtquartier zwischen Landtag und Alter Fahrt errichtet. Würden Sie das heute noch einmal bauen? – Nein. Nicht mit unserem heutigen Wissenstand und wie es wirtschaftlich gelaufen ist. Wir kamen mit einem blauen Auge davon. Wir haben an der Humboldtstraße zu dem Zeitpunkt die nach Quadratmeterpreisen angeblich teuersten Wohnungen der Stadt gebaut, aber trotzdem nur Geld gewechselt. Das sage ich so offen: Die Wohnungen mussten zu den Preisen verkauft werden, damit wir überhaupt kostendeckend arbeiten konnten. Der Aufwand für die Spezialtiefbau- und Wasserhaltungsarbeiten für die Tiefgarage war immens und hinzu kamen die nachgebildeten Barockfassaden, die alleine fast 20 Prozent der Investitionskosten ausmachten.“ https://www.maz-online.de/lokales/potsdam/bauunternehmer-mulder-mietendeckel-wird-spekulation-nicht-verhindern-UBDOGLCIKSSKMGSBTCFB4ULPMA.html
    Die Häuser, welche Kahlfeldt, Albers und Nöfer als Architekten gebaut haben sehen alle ähnlich aus: Teure Retrobauten aus alten Zeiten, energetisch und ökologisch fragwürdig und selten barrierefrei. Oder – wie es in den Kommentaren von Baunetz zu Petra Kahlfeldt formuliert wurde: „Da werden Pseudo-Säulchen mit Marmor verkleidet vor die Haustür der klassizistischen Retro-Villa gesetzt, die keine Funktion haben…auch ohne Stützen würde das Vordach halten.“ – https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Petra_Kahlfeldt_wird_Senatsbaudirektorin_7806174.html?backurl=https%3A%2F%2Fwww.baunetz.de%2Fmeldungen%2Findex.html&action=kommentieren
    Die Stadt, welche sie wieder haben wollen, ist für private Investoren und Wohlhabende. Tourist*innen sollen sich hier an ihrer Sicht auf Geschichte erfreuen, Freiräume für die Menschen in der Stadt gibt da kaum.

    In Potsdam haben sie es ganz offensichtlich geschafft, die Stadtpolitik von ihrer Idee der „Europäischen Stadt“, der „Kritischen Rekonstruktion“ zu überzeugen. Vielleicht wird es jetzt klarer, woher die Ideen und Konzepte kommen, die mit einer „Behutsamen Annäherung an das charakteristische, historisch gewachsene Stadtbild“ nur noch wenig zu tun haben. Das „Integrierte Leitbautenkonzept“ klingt fast genauso wie die Grundideen von AIV und Planwerk. Das aus der Fachhochschule Potsdam sogar Unterstützung kam, als diese die Stadtmitte verlassen musste, um nach Bornstedt zu ziehen wird jetzt richtig verständlich. Der Fachbereich für Architektur und Städtebau wird seit Jahren von den wichtigsten Akteuren dieses Netzwerkes geprägt und dominiert.
    Kahlfeldt, Albers und co. saßen in fast allen wichtigen Wettbewerbskommissionen, sie haben Stadtpolitik in ihrem Sinne beraten und kennen viele politisch Handelnde in dieser Stadt wie Saskia Hünecke persönlich – wie uns unsere Gesprächspartner*innen versicherten.
    Auch und gerade in Potsdam fällt auf, wie eng die Zugehörigkeit zu Wettbewerbskommissionen und die Erteilung von Aufträgen für Menschen aus diesem Netzwerk zusammenfallen. Sie haben zumindest gut davon profitiert.
    Nein, Potsdam ist kein gutes Beispiel für das, was in Berlin geplant ist. Alte Fahrt, Alter Markt und Alte Mitte sind teure Retroprojekte, steinerne und dementsprechend klimatologisch und ökologisch falsche Signale an den Städtebau im 21. Jahrhundert. Die postulierte Vielfalt bedeutet vor allem Privatisierung und die Genossenschaften, welche sich haben überreden lassen, dort zu bauen, werden wohl bald in der Kostenfalle sitzen.

    Jetzt in Berlin wollen sie wieder alle zusammen kommen und öffentlich zeigen, wie ihr Berlin, ihr Metropolraum (wo sie immer auch Potsdam mitdenken) aussehen soll.
    Beim „Mitte – Festival“ vom 19. – 22. Oktober 2022 möchte die Stiftung Mitte Berlin zeigen, wie ihre Mitte in Zukunft aussehen soll – https://stiftung-mitte-berlin.de/
    Benedikt Goebel führt durch das Programm, Tobias Nöfer moderiert und referiert, Petra Kahlfeldt stellt sich der Podiumsdiskussion, laut Prof. Dr. Markus Tubbesing „droht die Festschreibung der Suburbanisierung von Molkenmarkt“, Student*innen der Fachhochschule Potsdam werden mit ihren Arbeiten weiter massiv für dieses Retrostadtbild vereinnahmt.
    Hier darf dann auch noch Walter Momper ein wenig mitmachen, ihn kennen wir in Potsdam als „Projektentwickler“ des Luxusbauprojektes – der sogenannten „Havelwelle“ – https://www.subauftrag.com/havelwelle/
    Das komplette Programm dieses „Festivals“ historisierender Stadtentwicklung ist hier nachzulesen: https://stiftung-mitte-berlin.de/downloads/MITTE-FESTIVAL_2022_Programm_2022-10-04.pdf

    In Potsdam sind diese (Alb) Träume leider längst Realität.
    Das hier dargestellte Netzwerk hat daran leider einen erheblichen Anteil.

  • Potsdamer Halbwahrheiten

    Die PNN brachte am 08.10.22 einen sehr kurzen Beitrag über die laufende Abstimmung zum Bürgerhaushalt. Die Kernaussage lautete online „Als Favoriten kristallisieren sich bislang unter anderem der Wunsch nach Verbesserungen beim Bürgerservice, der Erhalt von Kleingärten, der Ausbau von Grünflächen und Radwegen und die Sanierung des Staudenhofs heraus.“ Das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht richtig. Denn mit Abstand liegt „Kein Stadtgeld für den Wiederaufbau der Garnisonkirche“ vorn. Wie jedes Jahr. Aktuell hat der Vorschlag 5617 Stimmen. Fast 2000 Punkte vor dem Nächstplatzierten.

    Beim Bürgerhaushalt gibt es drei Kategorien. Somit lautet richtigerweise die PM der Stadtverwaltung: „Als Favoriten zur Arbeit der laufenden Verwaltung stehen aktuell der Wunsch nach spürbaren Verbesserungen im Bürgerservice, die Forderungen zum Erhalt von Kleingärten und einer verbesserten Förderung der Freiwilligen Feuerwehren sowie mehrere Hinweise zur Verkehrsentwicklung ganz oben auf der Liste. Im Bereich Investitionen werden die Anregungen zum Ausbau von Grün- und Freizeitflächen sowie Radwegen sowie zur Sanierung des Wohnblocks am Staudenhof am besten bewertet. Im Bereich Haushaltssicherung erhalten die Forderungen, kein Stadtgeld für den Wiederaufbau der Garnisonkirche zu verwenden, für effiziente Prozesse in der Verwaltung zu sorgen oder Einsparungen bei der Straßenbeleuchtung vorzunehmen die meiste Unterstützung. Der aktuelle Zwischenstand der Abstimmung ist im Internet nachlesbar.“

    Das gezielte Weglassen ungeliebter Informationen ist manipulierend. Halbwahrheiten sind der erste Schritt zur Lüge. Kein Wunder, wenn sich einige BürgerInnen von einzelnen Medien nicht fair und richtig informiert fühlen.

    CL

  • Ein ganz kleiner, aber wichtiger Schritt…

    Ein ganz kleiner, aber wichtiger Schritt…

    hin zur ersten sozialen Erhaltungssatzung in Potsdam wurde jetzt getan.

    Nach immerhin fast 4 Jahren tut sich tatsächlich was beim Thema „Soziale Erhaltungssatzung“ für ein Quartier in Potsdam!
    Nach x Verzögerungen und genauso vielen Verlängerungen durch Verwaltung und Stadtverordnetenversammlung hat die Stadt jetzt tatsächlich ein Unternehmen für das sogenannte Feinscreening gefunden. Hier geht es darum, die reale soziale Zusammensetzung einer erhaltenswerten Quartiersstruktur zu erforschen.
    Beauftragt wurde das Berliner Unternehmen LPG mbH, was auf diesem Gebiet bereits umfangreiche Erfahrungen aufzuweisen hat.

    Bereits in diesen Tagen werden dazu umfangreiche Umfragebögen an alle Haushalte im Untersuchungsgebiet verschickt.
    Diese sollen dann bis zum 25. Oktober 2022 zurückgeschickt werden. Sie sind die Grundlage einer anonymen Datenerhebung über die soziale Zusammensetzung der Wohnbevölkerung.

    Und dies wiederum würde dann die Voraussetzung für die tatsächlich allererste „Soziale Erhaltungssatzung“ in Potsdam werden!
    Deshalb gilt es jetzt natürlich, dass sich möglichst viele Menschen beteiligen und ihre soziale Situation darstellen. Um dies zu unterstützen, lädt die Anwohner*inneninitiative „Teltower Vorstadt für jeden Mittwoch Abend zum Mittwochstresen ins Haus 2 im Kulturzentrum Freiland ein! Außerdem wird es ein FAQ mit den wichtigsten Hinweisen zum Ausfüllen der Fragebögen geben.
    Am Dienstag, den 11. Oktober 2022 organisiert die Stadt eine Informationsveranstaltung im Haus Spartacus im Freiland, die ab 19 Uhr beginnt.

    Interessant ist das jetzt festgelegte Untersuchungsgebiet. – hier genau mit den einbezogenen Straßen!
    Neben der unmittelbaren Nachbarschaft des geplanten – und hoffentlich nie umgesetzten – IT Centrums auf dem ehemaligen RAW Gelände in der Schlaatzstraße wird auch Babelsberg Süd einbezogen!
    Warum stattdessen die Semmelhaack – Häuser am Hauptbahnhof rausgefallen sind scheint uns ein Rätsel. Vielleicht lohnt es sich, hier mal laut zu fragen.

    Also: Beteiligt Euch, wenn Ihr in dem betroffenen Gebiet wohnt!
    Immerhin können in einem künftigen Milieuschutzgebiet Häuser nicht mehr so leicht verkauft, Miet – in Eigentumswohnungen umgewandelt werden und unterliegen viele Investitionen einem Genehmigungsvorbehalt.

  • Die Abrisse stoppen – ein Abrissmoratorium sofort!

    Die Abrisse stoppen – ein Abrissmoratorium sofort!

    Der Bund deutscher Architektinnen und Architekten, verschiedene Architektenkammern, Umweltverbände, Unternehmen, Dozent*innen und Wissenschaftler*innen fordern in einem offenen Brief an die Bauministerin Frau Geywitz ein Abrissmoratorium!

    Wir fordern ein Abriss-Moratorium: Statt Abriss und Neubau stehen wir für Erhalt, Sanierung, Umbau und Weiterbauen im Bestand. Jeder Abriss bedarf einer Genehmigung unter der Maßgabe des Gemeinwohls, also der Prüfung der sozialen und ökologischen Umweltwirkungen.
    … heißt es in dem offenen Brief, der heute hier veröffentlicht wurde:

    https://abrissmoratorium.de/

    Das Netzwerk „Stadt für alle“ teilt diesen Aufruf und offenen Brief und verweist darauf, dass es in Potsdam ein Wohngebäude gibt, was symbolisch für diese entscheidende ökologische und baukulturelle Frage steht: Der Staudenhof muss erhalten werden!
    Jetzt geht umso mehr der Ruf an die politisch Verantwortlichen in der Stadt Potsdam: Unterstützen Sie diese dringende Bauwende und erhalten Sie den Staudenhof!

    Sehr geehrte Klara Geywitz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen

    In Deutschland entstehen jedes Jahr 230 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle, was 55 Prozent des gesamten deutschen Abfalls ausmacht. Zudem sagt der aktuelle Emissionsbericht des Umweltbundesamtes: Deutschland ist nicht auf Kurs, seine Klimaschutzziele zu erreichen. Der Gebäudesektor hat zum zweiten Mal in Folge sein Emissionsminderungsziel verfehlt. Um das Sektorziel 2030 zu erreichen, ist eine jährliche Minderung von Treibhausgasemissionen um 5,5 Millionen Tonnen nötig – mehr als das Doppelte als der derzeit erreichte Wert.

    Heute, wo die Klimaerwärmung spürbar, die Energieversorgung unsicher und die planetaren Grenzen erreicht sind, ist nicht der Erhalt von Gebäudestrukturen erklärungsbedürftig, sondern ihr Abriss. Die Erhaltung darf sich nicht auf einen kleinen Teil von repräsentativen Denkmälern beschränken, sondern muss den gesamten Baubestand umfassen. Die Zerstörung und der Abtransport von brauchbarem Baumaterial auf die Deponie ist nicht mehr zeitgemäß.

    Wir fordern ein Abriss-Moratorium: Statt Abriss und Neubau stehen wir für Erhalt, Sanierung, Umbau und Weiterbauen im Bestand. Jeder Abriss bedarf einer Genehmigung unter der Maßgabe des Gemeinwohls, also der Prüfung der sozialen und ökologischen Umweltwirkungen. 

    Ein Abriss-Moratorium:

    + aktiviert die großen Potenziale im Bestand und bereits versiegelter Flächen für die Schaffung der von Ihnen avisierten 400.000 neuen Wohnungen jährlich. Erhalt, Sanierung, energetische Verbesserung, aber auch Aufstockungen, Erweiterungen und die Anpassung an zukünftige Nutzungsanforderungen sind konstruktive Antworten auf die Wohnungsfrage.

    + nutzt den Gebäudebestand als wirksames Mittel gegen Energie- und Klimakrise. Es bewahrt und verwendet die im Material gespeicherte graue Energie. Außerdem vermindert es den Bedarf an energieintensiven und klimaschädlichen Baustoffen wie Beton und Stahl.

    + ist ein Schritt zur Kreislaufwirtschaft. Statt Abriss fördert es die Etablierung von Infrastrukturen für die Wiederverwendung von Bauteilen. In der zirkulären Stadt bedarf es schließlich keiner Deponie mehr.

    + verhindert Gentrifizierung und Verdrängung in Ballungsräumen, die mit Abriss und Neubau oftmals einhergehen, und begegnet so sozialen Spannungen.

    + ist ein Beitrag zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformation. Es steht für die Wertschätzung von Pflege und Reparatur des Bestehenden in seinem ganzen baukulturellen und geschichtlichen Reichtum.

    Die Politik muss dafür klare regulatorische Rahmenbedingungen schaffen. Dies umfasst:

    + Vorgaben, die den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden in die wirtschaftliche und ökologische Bewertung verbindlich einbeziehen und zum Standard in Genehmigungsprozessen machen. Gemeinwohlorientierte Projekte bleiben als Ausnahme möglich.
    – den Erhalt von Gebäuden zu erleichtern und ökonomisch attraktiver zu machen.

    + Leerstand in Städten zu begegnen und den Fokus auf Innenentwicklungsmaßnahmen zu legen, wie es mit dem beschlossenen Ende des § 13b Baugesetzbuch (Einbeziehung von Außenbereichsflächen in das beschleunigte Verfahren) vorgesehen ist.

    + die Forderung nach konsequenter Einhaltung der Klimaziele im Gebäudesektor.

    + Förderungen von Re-Use-Konzepten in der Architekturpraxis, so Unterstützung bei der Nutzung wiederverwendbarer Bauteile, der Errichtung dezentraler Bauteillager und digitaler Bauteilbörsen.

    Das Abriss-Moratorium ist ein Bestandteil im komplexen Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen für die Bauwende, wie es die Initiativen der MusterUMbauordnung von Architects for Future, der Charta von Rom von Bauhaus Erde, dem Haus der Erde des BDA und andere formuliert haben.

    Bis 2045 will die Bundesrepublik klimaneutral sein. Wir müssen heute klima- und umweltgerecht bauen, um die Ziele von morgen zu erreichen. Es bedarf politischen Mutes, um die Baubranche klimagerecht umzugestalten. Frau Bundesministerin Geywitz, nehmen Sie Ihre Verantwortung an und treten Sie entschlossen für eine Bauwende ein und für ein Abriss-Moratorium, das Bauen im Bestand fördert.

  • Garnisonkirche: Arsch mit Phallus

    Jetzt ist es raus. Die GarnisonkirchenbefürworterInnen reden endlich mal Klartext. Der Schauspieler Jörg Hartmann offenbart die wahren Absichten: „… ein alleine stehender Turm ist auch nicht gut. Da denkt man: Huch, was ist das für ein Phallus? Der braucht diesen Arsch des Kirchenschiffs, zumindest in den Grundformen. Damit es ästhetisch ausgewogen ist, macht das schon Sinn. Wie man das jetzt inhaltlich füllt, ist dann erst mal eine ganz andere Frage.“  Potsdam: Schauspieler und Garnisonkirchen-Befürworter Jörg Hartmann ist für Rechenzentrum-Abriss (maz-online.de)

    Arsch mit Phallus als Machtsymbol der Kirche und derer, die die Geschichte umdeuten wollen. Ein Kirchenschiff in der Form eines Arsches. Zwei Rundformen – tolle Idee. Ästhetisch ausgewogen. Sehr passend. Besser als ein Libeskind-Zacken. Womit der Arsch gefüllt wird „ist eine ganz andere Frage“. Bisher gibt es nur schlecht verdauliche Häppchen und Luftblasen die zu Verdauungsproblemen und Blähungen führen können.

    Die Entblößung des eigenen Gesäßes ist in manchen Kulturen eine Geste, um Protest, Hohn oder Geringschätzung auszudrücken. Auch Letzteres passt. Mit dem Arsch einreißen, was Generationen zuvor aufgebaut haben. Darum geht es. Die Revision der 70er Jahre soll durch eine neue Revision unkenntlich gemacht werden.

    Und die aktuellen Probleme zahlreicher MitbürgerInnen gehen den „Hartmännern“ auch am Arsch vorbei. Ihr könnt uns alle mal am Arsch lecken, mit eurem Gerede von Gentrifizierung, preiswerten Arbeits-, Kreativ- und Begegnungsräumen. Alles Ätschibätschi. Habt euch nicht so: da kommt doch was teures Neues nebenan hin. Im Gewand des Langen Stalls, voll kreativ für eine Stadt im 21. Jahrhundert.

    Dann bekommt auch die lapidare Behauptung, dass der Bund der Stiftung schon viele Millionen Euro in den Arsch gesteckt hat, eine ganz neue Bedeutung. Wir meinen, der Stiftung wurde auf Grund leerer Versprechungen jahrelang von allen Seiten Zucker in den Arsch geblasen. Schluss mit Bonbons! Alles öffentliche Geld war zwar bisher nur für den Penis, ganz im Sinne von „Wir haben den Größten“. Aber richtig geil wird es eben erst, wenn der Unterleib komplett ist. Jetzt verstehen wir auch die Behauptung, einige (Hart-)Männer denken nur mit ihrem Penis.

    Wenn der Arsch real wird, kann mensch da hineinkriechen. Wenn es gut gemacht wird, kann die ganze Scheiße der deutschen Geschichte dort erfahren werden. Wenn nicht, werden die KritikerInnen weiter behaupten, dass die Stiftung auf eine ernsthafte Geschichtsaufarbeitung scheißt. Auch der „Ruf aus Potsdam“ hat dann nicht nur eine geschichtsrevisionistische Bedeutung, sondern auch eine genitale. Ein verbales Zäpfchen, rektal anwendbar.

    Wenn der Arsch realisiert ist, werden BesucherInnen diskutieren, ob die beiden Rundformen am Phallus Arschbacken oder die Hoden sein sollen. Noch ist Zeit, die Kuppel des Turmes in einer passenden Rund- bzw. Eichelform auszugestalten. Das passt dann auch zur Geschichte des ursprünglichen Hauses. Eine Treffpunkt von Männern, die zur Sicherung der Macht zusammenkamen. Männer, Krieg und Kirche bildeten schon über viele Jahrhunderte eine Einheit.

    Mit der Realisierung des maskulinen Machtsymbols könnte das „Gebiet an der Plantage“ auch umbenannt werden. In Regio glutaea (Gesäßregion).

    OWCL

  • Gemeinsame Presseerklärung von Mietaktivist*innen aus aller Welt

    Das Netzwerk „Stadt für alle“ kritisiert gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Initiativen der Mieter*innenbewegung aus der ganzen Welt den bevorstehenden G 7 Gipfel der Bauminister*innen in Potsdam.

    Hier findet ihr die Presseerklärungen in:

    Englisch

    Deutsch

    Presseerklärung +++ Anlässlich des G7 Fachministerinnen-Treffens für nachhaltige Stadtentwicklung am 12. und 13. September in Potsdam fordern Mietaktivistinnen aus aller Welt die Einbindung zivilgesellschaftlicher Organisationen in den Gipfel +++

    Aktivist*innen wurden weder informiert noch eingeladen +++
    Mittel, wie die geplante Vergesellschaftung von großen Immobilienfirmen in Berlin, sollten ein zentraler Bestandteil der Strategie gegen die globale Wohnungskrise sein +++

    Die G7-Minister*innen sind schon im Vorfeld ihres morgigen Treffens an den eigenen Ansprüchen gescheitert. Anlässlich des G7 Fachministerinnen-Treffens für nachhaltige Stadtentwicklung am 12. und 13. September in Potsdam fordern zivilgesellschaftliche Mietinitiativen aus aller Welt die teilnehmenden Minister*innen auf, transparent zu arbeiten und im Sinne Ihrer eigenen Maßgaben zu handeln: der „Förderung einer gemeinwohlorientierten Politik auf lokaler Ebene“, der „Armutsbekämpfung“ und der „sozialen Eingliederung in Städten“.

    Mehr als ein paar Phrasen auf ihrer offiziellen Webseite haben die Ministerinnen zu diesen Themen nicht zu bieten. Die Zivilgesellschaft wurde zu dem G7-Fachministerinnen-Treffen weder eingeladen noch informiert. Anfragen zur Tagesordnung der Veranstaltungen und den Gästen wurden nicht beantwortet. Die G7 werben und stehen für Demokratie, doch sie weigern sich, die Menschen einzuladen, die täglich den verheerenden Auswirkungen der Gentrifizierung ausgesetzt sind, und die in ehrenamtlicher Arbeit Lösungsstrategien für ihre Städte entwickelt haben.

    Ein Treffen unter Ausschluss der Stadtgesellschaften ist eine Alibiveranstaltung. Die lokalen Aktivistinnen kämpfen und mobilisieren seit Jahrzehnten gegen Gentrifizierung und den Ausverkauf ihrer Städte. Sie sind die Expertinnen einer sozialen und nachhaltigen Stadtentwicklung.

    „Die globale Wohnungskrise wird durch einen großenteils unregulierten, profitorientierten Immobilienmarkt verursacht. Politikerinnen, wie die Fachministerinnen der G7, müssen diese globalen Akteure regulieren, um den Zugang zu bezahlbarem Wohnen zu garantieren. Maßnahmen wie die geplante Vergesellschaftung großer Immobilienunternehmen in Berlin sollten deswegen ein zentraler Teil der Strategie gegen die globale Wohnungskrise sein“, so Dan Peterka, Pressesprecher von Deutsche Wohnen & co enteignen.

    Im September 2021 haben sich 59,1% der wahlberechtigten Berliner*innen für die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne ausgesprochen. Die deutsche Verfassung macht eine solche Enteignung zum Schutz des öffentlichen Interesses möglich.

    Die juristischen Voraussetzungen der Vergesellschaftung werden derzeit in Berlin geprüft und die Umsetzung verhandelt.

    Weltweit brauchen Mieter*innen effektive Maßnahmen, um nicht länger aus ihren Wohnräumen vertrieben zu werden. Wohnraum muss dem Markt entzogen werden. Ein G7-Treffen, das die wirtschaftlichen Mechanismen nicht antastet, die der globalen Wohnungskrise zugrunde liegen, ist ein zahnloser Papiertiger.

    Auch Balakrishnan Rajagopal, der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Wohnen, hat auf der diesjährigen Enteignungskonferenz in Berlin die globale Dimension des Problems hervorgehoben: „Das Menschenrecht auf Wohnen darf nicht länger den Interessen der Wirtschaft untergeordnet werden. Wir brauchen eine Rückkehr zu den Werten, die den Vereinten Nationen zugrunde liegen.“

    Wir, Initiativen der weltweiten Mieter*innen-Bewegung, fordern die Vergesellschaftung von Wohnraum als nachhaltige Lösung für die globale Wohnungs- und Mietenkrise!

    Aktivistinnen aller Nationen müssen zu dem Treffen eingeladen werden, um gemeinsam mit den G7-Ministerinnen Strategien gegen steigende Mieten und Wohnungslosigkeit zu finden.

    Wohnen ist Menschenrecht.
    Unsere Städte brauchen jetzt weltweit eine gerechte Wohnungspolitik!

    Kontakt: presse@dwenteignen.de

    Deutsche Wohnen & Co. enteignen
    Acorn international
    Potsdam – Stadt für alle
    Philadelphia housing action, USA
    Habitat International Coalition
    FCDL – Frontal common pentru dreptul la locuire, Bukarest, Rumänien
    Housing justice for all, New York, USA
    Habita!, Lissabon, Portugal
    Krov nad glavom, Serbien

  • Jubel – und Wutdemo zum G 7 Treffen in Potsdam

    Heute haben rund 250 Menschen an einer Demonstration anlässlich des bevorstehenden G 7 Treffens der Bauminister*innen in Potsdam teilgenommen.
    Dabei wurde die Stadtpolitik hier in Potsdam und die völlig unverständlichen Themen dieses Gipfels spöttisch aufs Korn genommen – ausgerechnet in Potsdam über nachhaltige und inklusive Stadtentwicklung beraten zu wollen.

    Logisch, dass die stadtpolitischen Initiativen dazu gar nicht erst eingeladen sind. Mieter*inneninis, Freirauminitiativen und kritische Stadtpolitik passen wahrscheinlich nicht wirklich auf die Hochglanzfotos von total produktiven Arbeitsessen.

    Wobei – es scheint inzwischen durchaus fraglich, wer da alles die Einladung von Frau Geywitz annehmen wird. Aus gut unterrichteten Kreisen wissen wir, dass der kanadische Wohnungsminister nicht nach Potsdam kommen wird – wegen dem Tod der britischen Königin. Kommt dann der britische Bauminister? Findet das G 5 Treffen dann noch statt??

    Am Kulturzentrum Freiland und dem unsinnigen Megainvestorenprojekt auf dem RAW Gelände wurde aus der Jubeldemo eine Wutdemo!

    Ja, es reicht.
    Genug ist genug.
    In dieser dramatischen sozialen Krise muss Schluss sein mit der Abwälzung einer selbstverschuldeten Energie – und Wohnungskrise auf die Mieter*innen.

    Deshalb hier noch einmal die wichtigsten Forderungen der heutigen Demonstrationen:

    • Her mit dem Mietenstopp! Schluss mit der Abwälzung der Krisenkosten auf die Mieter*innen!
    • Abrisse stoppen! Den Staudenhof erhalten! – sonst ist alles Gerede von einer nachhaltigen Stadtentwicklung nur Heuchelei!
    • Stadt – und mietenpolitische Initiativen wirklich einbeziehen! Eine soziale und nachhaltige Stadt wächst nur von unten!

    Hier findet Ihr den Redebeitrag der EAP bei der Demo.

    Außerdem dokumentieren wir außerdem den Redebeitrag von Holger Zschoge/ Netzwerk „Stadt für alle“ bei der Jubeldemo:

    „In wenigen Tagen werden sich in Potsdam die Bauminister*innen der G 7 treffen.
    Oder – Wie sie es nennen: „Treffen der G7-Ministerinnen und -minister für nachhaltige Stadtentwicklung“.

    Das klingt verständlich und bringt die Stadtentwicklung in London, den USA oder Tokio genau auf den Punkt.

    Die Investitionen von Kleptokraten aus Osteuropa und der arabischen Welt in Luxus – und Anlageobjekte in London sind auf Dauer angelegt und bringen jedes Jahr neue Wertsteigerungen – das Kapital ist hier eindeutig nachhaltig angelegt.

    In den USA werden die Flächen weiter kontinuierlich mit Einfamilien – und Reihenhäusern versiegelt, genauso regelmäßig werden insolvente Eigentümer aus ihnen zwangsgeräumt – Kreislaufwirtschaft in Reinkultur.

    Und von Tokio können wir lernen, wie Menschen auch mit der kleinsten Wohnung ein zufriedenes Leben führen können – eine nachhaltige Stadtentwicklung wird nur funktionieren, wenn wir bereit sind, von unseren viel zu großen Bedürfnissen abzurücken.

    Auf der Liste der Themen, welche die Bauminister*innen zwischen den vielen Arbeitsessen und Fototerminen bearbeiten müssen, stehen deshalb auch so wichtige Punkte wie:
    Stärkung inklusiver und nachhaltiger Stadtplanung – oder:

    Förderung einer gemeinwohlorientierten Politik auf lokaler Ebene.“

    Da sind sie in Potsdam ja genau richtig.

    Sicherlich werden sie in einem Stadtrundgang durch die neu entstehende Mitte die vielen nachhaltigen Abrisse bewundern und die energetisch wertvollen barocken Fakegebäude aus aufgeklebten Sandstein bestaunen. Auf dem Alten Markt und dem Lustgarten können sie die historischen Plätze sehen, die im Klimawandel für nachhaltig höhere Temperaturen sorgen. Blumen, Sitzecken, Wasserspender würden nur der Aufenthaltsqualität der Menschen dienen und stören in unserem barocken Museum.

    Auch in Sachen Klimaschutz ist Potsdam ein Musterschüler. Wir haben den Klimanotstand ausgerufen! Um diesen Zustand auch in Zukunft zu erhalten, werden weiter fleißig Bäume abgeholzt wie beim Nuthewäldchen, Flächen versiegelt, auf Abriss wie beim Staudenhof gesetzt.

    Unsere Radwege werden Jahr für Jahr ordentlich in Form von schmalen Streifen auf viel befahrene Straßen gemalt, zum Ausgleich fährt die Rathausspitze einmal im Jahr mit dem Fahrrad zu Arbeit – Stadtradeln nennen sie das.

    Natürlich ist die Stadtentwicklung in Potsdam inklusiv. Jedes Jahr unternehmen wir große Anstrengungen, neue superreiche Millionäre in die Stadtgesellschaft zu integrieren. Und bei Persönlichkeiten wie Hasso Plattner, Bild – Chef Döpfner oder Günther Jauch ist das gar nicht so einfach. Vor allem haben wir erkannt, wie wichtig ist, ihnen ihre Hobbys zu lassen. Sie kaufen nun mal gerne Häuser und Grundstücke, errichten Museen und schmücken sie mit barocken Skulpturen. Lasst sie spielen!
    In Potsdam sind neue Bewohner*innen immer willkommen. Insbesondere, wenn sie in Immobilien investieren und große, neue Glaspaläste für irgendwelche ausgedachten IT Ankermieter bauen.

    Im Ergebnis solcher Investitionen steigen in Potsdam Bodenpreise und Mieten kontinuierlich. Das garantiert den Immobilienunternehmen einen nachhaltigen Gewinn und motiviert Menschen, die sich das nicht leisten können. Potsdam zu verlassen. Das stärkt die Inklusion, weil nicht mehr so viele arme Bewohner*innen der Stadt integriert werden müssen.

    Deshalb ist Potsdam jetzt schon eine Stadt mit einer gemeinwohlorientierten Politik. Auch das ist ist ein guter Grund, warum die G 7 – Minister*innen von Potsdam lernen können. Seit vielen Jahren verkauft die Stadt ihre Grundstücke zu Höchstpreise an gemeinwohlorientierte Unternehmen wie die Instone Real Estate. Immobilienkonzerne wie Vonovia und die Deutsche Wohnen arbeiten völlig zurecht im Verband Brandenburgischer Immobilienunternehmen mit den kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen zusammen – sie eint ihre Gemeinwohlorientierung. Da bietet es sich natürlich auch an, dass sie mit der kommunalen Gesellschaft ProPotsdam immer gut kooperieren – sei es bei der Entwicklung des neuen Quartiers in Krampnitz oder Benefizkonzerten für ukrainische Geflüchtete.

    Nicht zuletzt verweigert sich die Stadt Potsdam aus gutem Grund den bekannten Instrumenten des Schutzes von Mieter*innen. Milieuschutz zeigt ja schon, dass es dabei um die Bevorzugung eines speziellen Milieus geht und nicht um das Gemeinwohl aller Menschen in der Stadt. Vorkaufsrechte, Umwandlungsverbote, Zweckentfremdungsverfahren – gut, dass es das in Potsdam alles nicht gibt.
    Anders als in vielen anderen Städten werden hier eben keine Bußgelder bei Zweckentfremdung erhoben, keine Sanktionen bei der Umwandlung von Miet – in Eigentumswohnungen verhängt.
    Potsdam ist eindeutig schon jetzt gemeinwohlorientiert.

    Deswegen freuen wir uns, wenn die G 7 – Bauminister*innen sich jetzt hier in Potsdam treffen. Sie können ganz viel von Potsdam lernen – vor allem, wie man eine Stadtpolitik macht, die zu den höchsten Miet – und Grundstückskosten im Osten Deutschlands führt und längst mit Städten wie München oder Frankfurt konkurriert.

    Protest oder Kritik brauchen sie hier nicht erwarten, die Stadt hat seit vielen Jahren Übung darin, wie man die Vorschläge und Sorgen der Stadtgesellschaft ignoriert. Das Modell, alle erfolgreichen Bürgerbegehren mit juristischen Tricks wirklungslos zu machen, haben sie schon zur Kunst erhoben. Die Wut der Menschen wird meist erfolgreich in Infoveranstaltungen kanalisiert – wenn längst alles entschieden ist.

    Also: Feiern Sie schön, machen Sie ein paar schöne Bilder und genießen Sie die vielen Arbeitsessen.
    Am Ende bleibt eh alles so wie es immer war in Potsdam: Die nächsten Mieterhöhungen kommen bestimmt.“

  • Immobilieninvestoren unterstützen die Jubeldemo!

    Wie auf vielen SPD – CDU – Parteitagen haben wir uns für unsere Jubeldemo um Sponsor*innen bemüht:
    Das Motto „Gemeinsam für Mieterhöhungen und Verdrängung“ hat viele bekannte Immobilienkonzerne und Investor*innen, die ihr Geld in Potsdam anlegen dazu motiviert, uns mit beträchtlichen Beiträgen zu unterstützen.

    Als Gegenleistung geben wir ihnen hier noch einmal die Möglichkeit zur Werbung.
    Im Folgenden haben wir alle unsere Dossiers und Recherchen zusammen gestellt, welche die spannenden Geschäftsmodelle solcher Unternehmen präsentieren und zeigen, wie sie ihr Geld verdienen.

    KW Development

    Hedera Bauwert

    von Kenne und Dietrich

    Vonovia

    Dahler & Company und Henrik Ulven

    Nuthewäldchen

    Von Potsdam nach Panama und zurück

    M. Zeligman und die Concept oil Services Ldt.

    Wolfhard Kirsch

    Speicherstadt

    Deutsche Wohnen

    Viel Spaß beim Lesen, Ärgern und weiter recherchieren – es lohnt sich!